NativeCalfConcept

Unser Konzept für eine naturnahe und gesunde Kälberaufzucht. Wie Sie von erhöhtem Tierwohl profitieren.

Aus gesunden, natürlich aufwachsenden Tieren werden leistungsstarke, robuste Milchkühe.

Ein zufriedenstellender Arbeitsplatz mit gesunden Tieren, um die man sich gerne kümmert.

Investitionen in gesunde Kälber senken Kosten und steigern langfristig die Milchleistung.

Von der Natur abgeschaut – in der Praxis optimiert!

Native Calf Concept mit 10 Schritten

In der Kälberaufzucht stehen heute die Themen Automatisierung und Digitalisierung im Mittelpunkt. Ziel ist es, die Abläufe möglichst zeitsparend und kosteneffizient umzusetzen. Dabei entfernen wir uns jedoch zunehmend von einer naturnahen Aufzucht der Kälber.

Das ist in der Entwicklung zur modernen Landwirtschaft absolut berechtigt, aber ist es wirklich der beste Weg? Übersehen wir dabei vielleicht wichtige Punkte, die die Natur besser macht? Was können oder müssen wir von der Natur lernen, um unsere Kälber gesund aufzuziehen und zu leistungsstarken Milchkühen heranwachsen zu lassen? Wie können wir diese Erkenntnisse auch in der „konventionellen“ Kälberaufzucht umsetzen?

Diese Fragen beantworten wir mit dem Holm & Laue NativeCalfConcept. Die gute Nachricht: Eine naturnahe Kälberaufzucht lohnt sich auf allen Ebenen. Mit ein paar sinnvollen Anpassungen und einigen Investitionen heben Sie Ihre Kälberhaltung auf ein neues Level!

1. Optimale Kolostrumversorgung

Die erste Mahlzeit eines Kalbes ist von entscheidender Bedeutung für seine gesamte weitere Entwicklung. Kolostrum liefert nicht nur Energie, sondern ist die einzige Quelle für die passive Immunität des neugeborenen Kalbes. Auch in der Natur ist diese Priorität deutlich erkennbar: Sobald das Kalb stehen kann, sucht es instinktiv das Euter auf, um Biestmilch zu trinken.

Neben diesem natürlichen Aspekt gewinnt die Kolostrumversorgung auch angesichts zukünftiger Herausforderungen weiter an Bedeutung. Die verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten für Kälberkrankheiten – insbesondere der Einsatz von Antibiotika – werden zunehmend eingeschränkt. Der Grundsatz „Vorbeugen ist besser als Heilen“ ist daher nicht nur ethisch sinnvoll, sondern auch eine notwendige Antwort auf die begrenzten therapeutischen Optionen. Eine gute passive Immunität stärkt die Widerstandskraft der Kälber gegenüber Krankheitserregern, mit denen sie zwangsläufig in Kontakt kommen.

Die richtige Kolostrumversorgung bildet somit die Basis für alle weiteren Bausteine des NativeCalfConcept. Im Folgenden sind die wichtigsten Eckpunkte eines erfolgreichen Kolostrummanagements zusammengefasst.

Beste Qualität: 50 g IgG pro Liter

Gehalt an Immunglobulinen

Der Immunglobulingehalt des Kolostrums sollte regelmäßig kontrolliert und dokumentiert werden, zum Beispiel mithilfe eines Brix-Refraktometers. Kolostrum mit einem IgG-Gehalt von mindestens 50 g/L eignet sich als erste Mahlzeit für das Kalb. Ein IgG-Gehalt von 50 g/L entspricht einem Brix-Wert von 22 °. Noch besser wäre ein Brix-Wert von 24 ° und höher.

Liegt die Qualität darunter, sollte entweder auf hochwertiges Kolostrum aus einem angelegten Vorrat zurückgegriffen werden oder sichergestellt werden, dass eine entsprechend größere Menge aufgenommen wird (siehe Abschnitt „Die richtige Menge: 3–4 Liter“).

 

Hygienische Qualität

Die hygienische Qualität des Kolostrums wird häufig unterschätzt. Wie im regulären Melkprozess gilt auch rund um die Abkalbung: Sauberkeit ist entscheidend. Dies stellt insbesondere beim Melken in der Abkalbebucht eine besondere Herausforderung dar.

Eine gute Euterhygiene, saubere Melkkannen und Melkgeschirr sowie gründlich gereinigte und gegebenenfalls desinfizierte Tränkeflaschen oder -eimer sind unerlässlich. Mangelnde Hygiene kann mehrere negative Effekte haben:

  • Bakterien können die noch offene Darmschranke passieren und so in die Blutbahn gelangen.

  • Immunglobuline werden bereits im Kolostrum durch Keime gebunden, sodass sie dem Kalb später nicht mehr zur Aufnahme zur Verfügung stehen.

  • Die passive Immunität des Kalbes fällt dadurch geringer aus.

Zudem gilt: Warmes Kolostrum bietet Keimen ideale Wachstumsbedingungen. Bereits nach kurzer Zeit verdoppelt sich die Keimzahl (nach 20 Minuten). Wird das Kolostrum nicht unmittelbar vertränkt, sollte es daher zügig gekühlt werden.

Die richtige Menge: 3–4 Liter

Neben der Qualität ist die aufgenommene Menge entscheidend, um eine ausreichende Versorgung mit Immunglobulinen sicherzustellen. Das Ziel liegt bei einer Aufnahme von etwa 200 g IgG.

Bei einer angestrebten Konzentration von 50 g IgG pro Liter entspricht dies einer Kolostrummenge von rund 4 Litern.

Dieser Wert orientiert sich auch an der Faustregel von etwa 10 % des Geburtsgewichts. Besonders kleine Kälber sollten also nicht die volle Menge von 4 Litern erhalten, sondern eventuell nur 3 bis 3,5 Liter. In der Praxis sollte das Vorgehen jedoch möglichst einfach und klar sein – ohne komplizierte Berechnungen für das Personal.

Optimaler Zeitpunkt: 1. Lebensstunde

In den ersten Lebensstunden ist die Darmschranke des Kalbes noch durchlässig für große Eiweiße, wie beispielsweiße Immunglobuline. Dieser besondere Aufnahme­mechanismus ist jedoch zeitlich stark begrenzt. Bereits nach 4 bis 6 Stunden sinkt die Aufnahmefähigkeit für Antikörper auf etwa 50 % ab, nach 12 Stunden ist das Zeitfenster vollständig geschlossen.

Der optimale Zeitpunkt für die kontrollierte Gabe von hochwertigem Kolostrum liegt daher in der ersten Lebensstunde. In diesem Zeitraum ist der Saugreflex in der Regel stark genug, sodass die erforderliche Menge häufig selbstständig aufgenommen werden kann.

Zusätzlich ist eine zweite Kolostrumfütterung nach 6 bis 12 Stunden sinnvoll. Die Antikörper schützen dann vor allem die Entwicklung der Darmflora und bekämpfen dort eingedrungene Keime.

Insgesamt dient die Ernährung am ersten Lebenstag der Immunisierung und der Gesundheit des Kalbes. Daher ist es wichtig, hier gut abgestimmte Arbeitsabläufe zu integrieren.

Der richtige Arbeitsablauf bei der Kolostrumfütterung

Wie lassen sich diese drei Forderungen in der Praxis am besten umsetzen, wenn eine Geburt doch immer ungeplant und spontan geschieht?

Oft wird empfohlen, dem Kalb das Kolostrum der eigenen Mutter zu verabreichen, da bestimmte biologische Stoffe von der eigenen Mutter besser aufgenommen werden können. In der Praxis hat diese Vorgehensweise jedoch entscheidende Nachteile:

  1. Die generelle Qualität (IgG-Level) des Kolostrums ist häufig nicht ausreichend (in 50 % der Fälle). 
  2. Die Menge der Biestmilch ist eventuell nicht ausreichend.
  3. Wenn ersatzweise eingefrorenes Kolostrum verwendet wird, dann wird es meist unsachgemäß (zu heiß) aufgetaut. Dadurch werden Antikörper zerstört.
  4. Das Melken der Kuh verzögert sich, wodurch sich auch das Füttern des Kalbes verzögert.

Dafür gibt es eine sehr einfache Lösung: Man entkoppelt die Fütterung des Kalbes vom Melken der Kuh!

Dafür bauen Sie eine Kolostrumbank auf. Hierfür frieren Sie nur Kolostrum von bester Qualität (> 24 °Brix) ein. Wenn das Kalb geboren ist, tauen Sie das Kolostrum in einem kontrollierten Wasserbad mit maximal 43 °C auf. Mit dem System „ColoQuick“ dauert dieser Prozess nur 20 Minuten. So können Sie bereits 30 bis 60 Minuten nach der Geburt eine hervorragende Kolostrumfütterung für jedes Kalb gewährleisten.

Erst anschließend melken Sie die Kuh. Dann testen Sie das Kolostrum mit dem Refraktometer. Wenn das Kolostrum von guter Qualität ist, befüllen Sie anschließend die Kolostrumbeutel. Auf diese Weise wird die Kolostrumbank immer wieder aufgefüllt. Kolostrum mit schlechten Brix-Werten wird dann einfach wie Transitmilch verfüttert (siehe Abschnitt „2. Transitmilch – gezielte Unterstützung für Darm und Immunsystem“).

Kontrolle ist besser als Vertrauen

Die Analyse des Blutserums von zwei Tage alten Kälbern gibt guten Aufschluss über deren Immunisierung. Auch hierfür kann das Refraktometer einfach verwendet werden. Ein Brix-Wert von über 8,4 °Brix im Blutserum zeigt eine ausreichende Versorgung mit Antikörpern an. Dies entspricht einem Niveau von ungefähr 10 g IgG/dL Serum.

Selbst bei bestem Management wird nicht jedes Kalb diesen Wert erreichen. Von einem guten Kolostrummanagement kann man sprechen, wenn im Durchschnitt mindestens 80 % aller Kälber diesen Wert erreichen. Daher ist es immer sinnvoll, die eigenen Messwerte fortlaufend zu dokumentieren, um eventuelle Verschlechterungen frühzeitig zu erkennen.

Fazit - Kolostrumversorgung

Die Kolostrumversorgung ist die entscheidende Basis für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Kalbes. Mängel in diesem Bereich können später nur schwer kompensiert werden. Um diesen sensiblen Prozess zuverlässig zu gewährleisten, sind klare Arbeitsabläufe, verbindliche Standards und regelmäßige Kontrollen unerlässlich.

2. Transitmilch – gezielte Unterstützung für Darm und Immunsystem

Nach der ersten Kolostrummilch versorgt die Kuh ihr Kalb weiterhin mit wertvollen Nähr- und Wirkstoffen. Diese sogenannte Transitmilch – die Milch vom zweiten Gemelk bis zur ersten Lieferung an die Molkerei – enthält deutlich weniger Antikörper als Kolostrum, aber immer noch erheblich mehr als normale Vollmilch. Vor allem liefert sie zahlreiche bioaktive Stoffe, die in den ersten Lebenstagen des Kalbes eine entscheidende Rolle spielen.

Auch wenn das Kalb nach etwa 24 Stunden kaum noch Antikörper über die Darmschranke ins Blut aufnehmen kann, entfalten diese Inhaltsstoffe ihre Wirkung direkt im Darm. Sie stabilisieren die Darmwand, fördern die Entwicklung eines gesunden Mikrobioms und helfen dem Kalb, besser mit Keimen umzugehen, mit denen es früh in Kontakt kommt.

Besonders auffällig sind die erhöhten Gehalte an IGFs (Insulin-like Growth Factors), also an Wachstumsfaktoren, die insbesondere für die Entwicklung der Darmzellen wichtig sind. Interessant ist zudem der Lactoferrin-Gehalt in der Transitmilch. Lactoferrin ist ein multifunktionales, an Eisen gebundenes Protein, das vor allem antibakteriell, antiviral, entzündungshemmend und immunmodulierend wirkt. Es stärkt die Darmbarriere, fördert nützliche Darmbakterien und reguliert den Eisenstoffwechsel. Die Tatsache, dass Lactoferrin in der späteren Milch gar nicht mehr vorhanden ist, zeigt, wie besonders Transitmilch doch ist.

Studien von Van Soest (2000 und 2022) zeigen beispielsweise:

Kälber, die nach dem Kolostrum mehrere Tage lang gezielt mit Transitmilch versorgt werden, zeigen weniger Durchfall, haben höhere Tageszunahmen und starten insgesamt stabiler in die ersten Lebenswochen. Van Soest führt dies insbesondere auf die längeren Zotten des Dünndarms zurück, die sich bei der Fütterung von Transitmilch bilden (im Vergleich zur alternativen MAT-Fütterung).

B. Van Soest et al 2021 https://doi.org/10.3168/jds.2021-21723

MilkTaxi with PlusTank

Aus diesem Grund ist Transitmilch zu wertvoll, um sie einfach mit dem MilchTaxi ungezielt an alle Kälber zu verteilen. Sie sollte separat gesammelt, hygienisch gelagert und gezielt an junge Kälber in den ersten Lebenstagen vertränkt werden.

Dabei können einfache Lösungen wie zusätzliche Transportbehälter am MilchTaxi, zusätzliche Milchkannen oder der PlusTank helfen. Diese lassen sich mithilfe des Halterahmens einfach vorne am MilchTaxi transportieren.

Mit dem CalfExpert Tränkeautomaten können Sie die Transitmilch noch gezielter füttern: Im Futterprogramm kann beispielsweise eingestellt werden, dass in den ersten 5 Tagen ausschließlich Transitmilch vertränkt werden soll. Anschließend kann der CalfExpert die Kälber langsam über einige Tage hinweg auf Milchaustauscher umstellen. Nach 10 bis 14 Tagen sind die Kälber dann schonend umgestellt. Warum das wichtig ist, erfahren Sie im Abschnitt „5. Langsame Übergänge – Zeit geben für gesunde Entwicklung“ weiter unten auf dieser Seite.

Fazit: Zu gut um wahr zu sein!

Transitmilch ist somit ein wichtiger Bestandteil im NativeCalfConcept:
Sie überbrückt die sensible Phase zwischen Kolostrum und Vollmilch und legt zudem den Grundstein für eine stabile Verdauung und eine gesunde Entwicklung. Achten Sie also darauf, diese wertvolle Milch gezielt an die jungen Kälber zu vertränken!

3. Vollmilch – natürliche Ernährung für Wachstum und Leistung

Vollmilch ist das natürlichste Futtermittel für Kälber – ihr Verdauungssystem ist optimal darauf ausgelegt. In den ersten Lebenswochen können Kälber ausschließlich hochwertiges Kasein und Milchzucker verdauen. Pflanzliche Eiweiße und Kohlenhydrate können in dieser Phase hingegen noch nicht ausreichend aufgeschlossen werden.

Vollmilch liefert genau das, was das Kalb in dieser Zeit braucht:

  • hochverdauliches Kasein und Milchprotein,
  • natürliche Fett- und Energiequellen,
  • sowie bioaktive Bestandteile, die Wachstum und Entwicklung unterstützen.

Viele Betriebe nutzen Vollmilch daher erfolgreich als Basis für hohe Milchaufnahmen, gute Tageszunahmen und einen leistungsstarken Start ins Leben. Gleichzeitig ist Vollmilch ein wirtschaftlich attraktives Futtermittel, da sie auf dem Betrieb vorhanden ist und nicht zugekauft werden muss – insbesondere bei der Nutzung von nicht marktfähiger Milch. Milch von antibiotikabehandelten Kühen ist hiervon selbstverständlich ausgenommen und sollte immer entsorgt werden.

Vollmilchfütterung stellt jedoch auch Anforderungen:
Die Qualität kann schwanken, Hygiene und Lagerung sind entscheidend und unbehandelte Rohmilch kann Krankheitserreger übertragen. Zusätzlich zeigen Praxiserhebungen, dass Vollmilch auf dem Weg vom Euter zur Tränke häufig ungewollt verdünnt wird, was den Energie- und Nährstoffgehalt deutlich senken kann.

Hier setzt die moderne Fütterungstechnik an. Durch Pasteurisierung im MilchTaxi werden Keime zuverlässig reduziert. Funktionen wie SmartMix ermöglichen es, verdünnte Milch gezielt wieder auf die richtige Konzentration aufzuwerten. In Kombination mit dem CalfExpert-Tränkeautomaten, intelligenten Milchkühltanks und Programmen wie EvenMilk lässt sich Vollmilch altersgerecht, sicher und effizient einsetzen.

Wie Sie Vollmilch optimal mit moderner Fütterungstechnik einsetzen können, lesen Sie ausführlich in unserem Blogartikel.

Fazit: Natürliche Vollmilchfütterung

Bei richtiger Umsetzung verbindet die Vollmilchfütterung biologische, wirtschaftliche und nachhaltige Aspekte. Sie unterstützt hohe Wachstumsraten, bereitet die Tiere auf spätere Leistungen vor und reduziert gleichzeitig den Ressourcenverbrauch im Vergleich zur Verwendung von Milchaustauschern.

4. Milchaustauscher – sinnvoll eingesetzt, eine starke Ergänzung

In den ersten 4 bis 5 Lebenswochen sind junge Kälber auf hochverdauliches Kasein und Milchzucker angewiesen. Steht keine Vollmilch zur Verfügung kann Milchaustauscher (MAT) eine gute und praxistaugliche Lösung sein – vorausgesetzt, Qualität und Zusammensetzung stimmen.

Allerdings sind nicht alle Milchaustauscher für sehr junge Kälber gleichermaßen geeignet. Daher es lohnt sich, einen genauen Blick auf die Inhaltsstoffe und die physiologische Wirkung im Verdauungstrakt zu werfen.

Vorteile von Milchaustauschern

Richtig eingesetzt, bieten Milchaustauscher klare Pluspunkte in der Kälberaufzucht.

Konstante Qualität: Jede Tränke enthält die gleiche Menge an Energie, Eiweiß, Fett und Vitaminen. Das schafft Sicherheit für das Kalb, denn Kälber mögen eine konstante Fütterung mit immer der gleichen Zusammensetzung.

Hohe Hygiene: Sauber gemischt und korrekt gehandhabt, ist MAT mikrobiologisch stabil. Das reduziert den Keimdruck und senkt das Risiko für Verdauungsstörungen.

Planbarkeit und Arbeitswirtschaft: Milchaustauscher ist unabhängig von den Melkzeiten verfügbar, leicht zu dosieren und einfach in der Handhabung. Das macht die Kälberaufzucht gut planbar und effizient.

Osmolalität – ein oft unterschätzter Faktor

Ein entscheidender, aber häufig übersehener Punkt bei der Tränke mit Milchaustauscher ist die Osmolalität. Dieser Wert gibt die Konzentration der gelösten Teilchen in einer Flüssigkeit an. Zum Vergleich:

  • Blut und Vollmilch liegen bei etwa 350 mOsm/kg – ein nahezu isotonischer Zustand. Das bedeutet, dass das Nahrungsmittel im Darm die gleiche osmotische Zusammensetzung hat wie die Darmzellen und das Blut. Dies ist sehr gut für die Verdauung im Dünndarm.

  • Viele Milchaustauscher erreichen jedoch 600 mOsm/kg oder mehr.

Ist der Darminhalt dadurch zu stark konzentriert, zieht er Wasser aus den Darmzellen an. Die Folge kann flüssiger Kot bis hin zu Durchfall sein. Ursache dafür ist häufig ein hoher Zuckeranteil im MAT oder eine zu hohe Einmischrate.

Deshalb gilt: Ein guter Milchaustauscher sollte nicht nur auf Nährstoffgehalte geprüft werden, sondern auch auf seine Osmolalität. Diese Information wird leider nicht auf den Deklarationen angegeben. Fragen Sie daher gern bei Ihren Lieferanten nach. Wir raten dazu, immer die empfohlene Konzentration des Herstellers genau einzuhalten.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem Blog.

Fett- und Proteinquellen

Wichtig bei der MAT-Fütterung ist die Proteinqualität. Da junge Kälber in den ersten Lebenswochen ausschließlich Kasein verdauen können, sollte Milchaustauscher mit einem hohen Anteil an Magermilchpulver verfüttert werden. Auf pflanzliche Eiweißquellen sollte ganz verzichtet werden. Diese können erst nach ungefähr 5 Wochen verdaut werden und führen bei jüngeren Kälbern schnell zu Durchfall.

Pflanzliche Fette  hingegen können von Kälbern gut verdaut werden – deshalb enthalten Milchaustauscher pflanzliche Fette wie Palm- oder Kokosöl. Diese sind ernährungsphysiologisch geeignet, stehen aber zunehmend in der Kritik, was Nachhaltigkeit und Herkunft betrifft.

Alternativen aus regionalem Anbau, etwa Raps- oder Sonnenblumenöl, werden erforscht. Aktuell zeigt sich jedoch, dass diese für junge Kälber noch nicht immer optimal verdaulich sind. Forschung und Entwicklung arbeiten hier an verbesserten Lösungen.

Milchaustauscher in der Absetzphase

Milchaustauscher sind keine Notlösung, sondern ein wichtiger Bestandteil vieler erfolgreicher Aufzuchtkonzepte. Insbesondere in der Absetzphase können sie ihre Stärken ausspielen.

Auch wenn schwerpunktmäßig Vollmilch getränkt werden sollte, steht aufgrund von gestiegenen Tränkemengen und späterem Absetzen oft nicht ausreichend Vollmilch zur Verfügung. Hier können dann Milchaustauscher zum Einsatz kommen.

Aber auch bei ausschließlicher Tränke mit Milchaustauscher besteht die Möglichkeit, die Entwicklung der Kälber in den ersten Wochen mit einem hochwertigen Magermilchpulver zu fördern. In der Absetzphase kann beispielsweise auf ein günstigeres Molkepulverprodukt umgestellt werden, welches bereits an das veränderte Enzymspektrum älterer Kälber angepasst ist.

Fazit: Augen auf bei der Wahl des Milchaustauschers

Milchaustauscher können eine wertvolle Ergänzung im NativeCalfConcept sein, wenn sie bewusst und fachlich korrekt eingesetzt werden. Die Qualität, die Zusammensetzung und die richtige Anwendung entscheiden darüber, ob Milchaustauscher die Kälbergesundheit unterstützen oder belasten. Lassen Sie sich daher von Ihrem Hersteller für Milchaustauscher gut beraten.

In Kombination mit durchdachter Technik und klaren Fütterungsstrategien lassen sich Milchaustauscher sicher, hygienisch und wirtschaftlich in die Kälberaufzucht integrieren.

5. Langsame Übergänge – Zeit geben für gesunde Entwicklung

Kälber kommen mit einem noch nicht vollständig entwickelten Verdauungssystem zur Welt. In den ersten Lebenswochen können sie ausschließlich Milchinhaltsstoffe enzymatisch verwerten. Gleichzeitig beginnt bereits die komplexe Entwicklung zum Wiederkäuer, bei der sich die Vormägen, der Labmagen und die Enzymaktivitäten schrittweise an neue Aufgaben anpassen.

Diese Entwicklung braucht Zeit. In der Regel vergehen 5 bis 10 Tage, bis sich das Verdauungssystem auf ein neues Futtermittel eingestellt hat. Das gilt unabhängig davon, ob von Vollmilch auf Milchaustauscher oder zwischen zwei unterschiedlichen Milchaustauschern gewechselt wird.

Eine zu schnelle Umstellung von Futtermitteln kann die Verdauung überfordern. Die Folgen reichen von reduzierter Futteraufnahme bis hin zu Verdauungsstörungen. Deshalb gilt im NativeCalfConcept ein klarer Grundsatz: Jeder Futterwechsel muss fließend erfolgen.

Übergänge bewusst gestalten

In der Praxis bedeutet dies, Futtermittel schrittweise zu mischen und das Mischungsverhältnis täglich anzupassen. So erhält der Verdauungstrakt die notwendige Zeit, um sich enzymatisch und mikrobiell auf die neue Ration einzustellen.

Bei der manuellen Tränkezubereitung ist dies oft nur eingeschränkt möglich, da meist eine einheitliche Mischung für alle Kälber hergestellt wird. Individuelle, alters- oder phasenabhängige Übergänge lassen sich so nur schwer umsetzen.

Technik als Unterstützung

Mit Tränkeautomaten wie dem „CalfExpert“ können Futterwechsel gezielt und kontrolliert gestaltet werden. Über individuell angepasste Futterkurven verändert sich das Mischungsverhältnis der eingesetzten Futtermittel täglich automatisch.

So lassen sich:

  • Übergänge von Vollmilch zu Milchaustauscher,
  • Wechsel zwischen zwei unterschiedlichen Milchaustauschern sowie
  • die Anpassung an die Absetzphase

ruhig, sicher und ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand realisieren.

Fazit: Schonende Übergänge für bessere Verdauung

Langsame Übergänge sind kein „Nice-to-have“, sondern eine biologische Notwendigkeit. Sie entlasten das Verdauungssystem, sichern eine stabile Futteraufnahme und tragen entscheidend zur Kälbergesundheit bei.

Wer dem Kalb Zeit gibt, legt die Grundlage für eine stressfreie Aufzucht – und genau dafür steht das NativeCalfConcept.

6. Natürliche Trinkhaltung – trinken wie am Euter

Die Milchtränke sollte beim Kalb ausschließlich über eine Nuckel-Tränkeeimer erfolgen. Nur so wird das natürliche Saugverhalten angeregt und der Schlundrinnenreflex zuverlässig ausgelöst. Das Tränken aus einem Eimer ohne Nuckel entspricht nicht der Physiologie des Kalbes und kann dazu führen, dass Milch in den Pansen gelangt – mit negativen Folgen für die Verdauung.

Im NativeCalfConcept orientieren wir uns bewusst an der Natur:
Kälber saugen mehrmals täglich, intensiv und langsam am Euter ihrer Mutter. Dabei arbeiten sie aktiv für ihre Milch, stoßen gegen das Euter und produzieren dabei viel Speichel. Genau dieses Tränkeverhalten gilt es technisch nachzubilden.

Angepasste Nuckelhöhe

Die Höhe der Nuckeltränke hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Körperhaltung des Kalbes beim Trinken. Ideal ist eine Nuckelhöhe von etwa 65 cm, angepasst an das Alter und die Rasse. Diese Höhe entspricht in etwa der natürlichen Zitzenhöhe am Euter.

Eine leicht nach unten geneigte Nuckelposition animiert das Kalb dazu, den Hals zu strecken. Dadurch wird der Schlundrinnenreflex optimal unterstützt, sodass die Milch am Pansen vorbei direkt in den Labmagen gelangt – dorthin, wo sie verdaut werden kann.

Intensives Saugen statt schnelles Schlucken

In der Natur nehmen Kälber ihre Milch langsam auf – meist nicht mehr als 300 bis 500 Milliliter pro Minute. Leichtgängige Nuckel führen dagegen oft zu einer viel zu hohen Trinkgeschwindigkeit. Das spart zwar Zeit, belastet aber die Verdauung.

Schwergängige Nuckel hingegen fördern intensives Saugen, eine hohe Speichelproduktion, und eine gleichmäßige Milchaufnahme.

Speichel enthält verdauungsfördernde Enzyme und Lipasen, welche die Aufschlüsselung von Fett und Milchzucker unterstützen. Gleichzeitig zeigt sich ein positiver Effekt auf das Verhalten: Nach längerem Saugen legen sich Kälber häufig ruhig ins Stroh, gegenseitiges Besaugen oder Lecken an der Stalleinrichtung treten deutlich seltener auf.

Viele kleine Mahlzeiten

Auch bei der Häufigkeit der Milchaufnahme lohnt sich der Blick in die Natur. Kälber trinken dort 6 bis 8 Mal täglich kleinere Mengen. Der Labmagen eines neugeborenen Kalbes fasst nämlich lediglich etwa 2 Liter.

Große Milchmengen auf einmal führen zu starken pH-Schwankungen im Labmagen. Diese belasten die Schleimhaut und können Verdauungsstörungen oder im Extremfall Magengeschwüre begünstigen (Ahmed et al., 2002).

Ideal sind daher 4 bis 6 Mahlzeiten pro Tag mit jeweils etwa 2 bis 2,5 Litern. So bleibt der pH-Wert stabil und der Labmagen arbeitet unter natürlichen Bedingungen.

Technik unterstützt natürliche Abläufe

Die HygieneStation des Tränkeautomaten „CalfExpert“ ermöglicht eine konsequente Umsetzung der natürliche Trinkhaltung:
Die Nuckelposition, die Milchtemperatur und die Anzahl der Mahlzeiten lassen sich exakt einstellen und an das Alter sowie den Entwicklungsstand der Kälber anpassen.

Auch bei Fütterung  mit Nuckel-Tränkeeimern können Ansätze wie schwergängige Nuckel, körperwarme Milch oder angesäuerte Ad-libitum-Tränke helfen – sie erfordern jedoch eine besonders sorgfältige Kontrolle.

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie im Blogartikel „Vorbild Natur“.

Fazit: Mehr Tierwohl durch richtige Trinkhaltung

Die natürliche Trinkhaltung ist mehr als nur ein Detail. Sie ist ein zentraler Baustein für eine gesunde Verdauung, ein ruhiges Verhalten und eine stabile Entwicklung der Kälber.

Wer das Trinken so gestaltet, wie es die Natur vorgesehen hat, entlastet den Magen, unterstützt den Schlundrinnenreflex und schafft die Grundlage für eine erfolgreiche Aufzucht im NativeCalfConcept.

7. Metabolische Programmierung – Fütterung heute entscheidet über Leistung morgen

Die ersten Lebenswochen sind ein biologisches Zeitfenster, in dem sich der Stoffwechsel, die Organe und das  Hormonsysteme nachhaltig entwickeln. In dieser Phase wird gewissermaßen „programmiert“, wie ein Tier später Nährstoffe verarbeitet, wächst und Leistung erbringt.

Man nennt dieses Phänomen metabolische Programmierung.

Zahlreiche internationale Studien belegen: Kälber, die in den ersten Lebenswochen hohe Milchmengen erhalten, entwickeln sich nicht nur schneller – sie zeigen später auch häufig:

  • eine höhere Milchleistung,
  • eine bessere Euterentwicklung,
  • eine stabilere Gesundheit und
  • eine insgesamt höhere Leistungsfähigkeit.

Was in den ersten Wochen gefüttert wird, wirkt sich über Jahre aus.

Große Milchmengen sind biologisch normal

Ein Milchangebot von mindestens 10 bis 12 Litern pro Tag – im Idealfall ad libitum – fördert das Wachstum und unterstützt die Organentwicklung. In der Praxis trinken Kälber bei freiem Zugang in der ersten Lebenswoche etwa 8 bis 10 Liter, später oft deutlich mehr.

Aus biologischer Sicht ist ein unbegrenztes Milchangebot kein Sonderfall, sondern der natürliche Zustand für junge Säugetiere. Eine restriktive Fütterung ist eher die Ausnahme.

Voraussetzung ist selbstverständlich, dass Milchqualität, Hygiene und Tränketechnik stimmen – wie in den vorherigen Kapiteln beschrieben.

Wirtschaftlichkeit statt Sparen am falschen Ende

Ein häufiger Kritikpunkt bei der intensiven Tränke ist, dass die Futterkosten höher sind. Gerade bei der Fütterung von Milchaustauscher können pro Kalb zusätzliche Kosten von 50 bis 100 Euro entstehen.

Doch diese Investition steht in Relation zu langfristigen Effekten:

  • geringere Tierarztkosten durch stabilere Kälber,
  • weniger Verluste und geringerer Behandlungsaufwand,
  • früheres Erstkalbealter,
  • höhere Milchleistung in der Laktation,
  • bessere Langlebigkeit der Herde.

Internationale Untersuchungen – beispielhaft die Arbeiten von Soberon et al. (2012) – zeigen deutlich, dass eine höhere Milchaufnahme in der Vorweidezeit mit einer gesteigerten späteren Produktivität einhergeht.

Intensive Tränke ist somit keine Kostenfrage, sondern eine strategische Investition in die zukünftige Milchkuh.

Kalb frisst Kraftfutter

Verzögerte Kraftfutteraufnahme – kein Nachteil

Oft wird argumentiert, dass Kälber bei hoher Milchaufnahme später mit der Kraftfutteraufnahme beginnen. Das ist korrekt – aber nicht automatisch negativ.

Untersuchungen zeigen, dass intensiv getränkte Kälber später ein hohes Futteraufnahmevermögen entwickeln. Ihr Stoffwechsel ist daran gewöhnt, größere Nährstoffmengen umzusetzen. Dies könnte mit ein Grund dafür sein, warum diese Tiere später mehr Milch geben: Sie nutzen das Nährstoffangebot effizienter.

Entscheidend ist also nicht, wie früh ein Kalb Kraftfutter frisst, sondern wie stabil und leistungsfähig es sich insgesamt entwickelt.

Praktische Fütterungsempfehlung

Es gibt unzählige Fütterungsempfehlungen auf dem Markt. Für jedes Aufzuchtziel gibt es eine passende Empfehlung. Oft muss man jedoch aufpassen und kritisch prüfen, ob der empfohlene Futterplan auch den eigenen Ansprüchen entspricht. Zur besseren Übersicht finden Sie im Blogbereich einen ausführlichen Artikel mit hilfreichen Tipps, wie Sie zu Ihrem eigenen und somit ideal auf Ihren Betrieb angepassten Futterplan gelangen.

Fazit: Starker Start ins Leben, leistungsfähig bis zum Schluss

Metabolische Programmierung bedeutet: Die Ernährung in den ersten Lebenswochen prägt die Leistungsfähigkeit eines Tieres über Jahre hinweg.

Eine intensive Milchphase stärkt die Gesundheit, fördert das Wachstum und legt den Grundstein für hohe Milchleistungen später. Wer in diese Phase investiert, investiert nicht nur in das Kalb von heute – sondern auch in die leistungsstarke Milchkuh von morgen.

8. Spätes und langsames Absetzen – Entwicklung braucht Zeit

Die Entwicklung vom Neugeborenen zum Wiederkäuer ist ein komplexer biologischer Prozess. Erst im Alter von 4 bis 6 Monaten entsprechen die Größenverhältnisse von Pansen, Netzmagen, Blättermagen und Labmagen denen eines ausgewachsenen Rindes.

Das bedeutet: Die Fähigkeit, Rau- und Kraftfutter vollständig wie eine Kuh zu verdauen, entwickelt sich erst nach und nach.

In der Praxis werden Kälber trotzdem häufig bereits im Alter von 8 bis 10 Wochen, teilweise sogar früher, abrupt von der Milch abgesetzt.

Im NativeCalfConcept verfolgen wir einen anderen Ansatz.

Warum frühes Absetzen problematisch sein kann

Zwar beginnen Kälber ab der vierten bis fünften Lebenswoche, Enzyme zur Verdauung pflanzlicher Eiweiße und Kohlenhydrate zu bilden. Bis das Verdauungssystem jedoch vollständig leistungsfähig ist, vergehen weitere Wochen.

Wird die Milch zu früh entzogen, zeigt sich in vielen Betrieben ein typisches Bild: der sogenannte Absetzknick. Für 1 bis 2 Wochen stagniert das Wachstum – oder das Kalb verliert sogar an Gewicht. Dies ist ein klares Zeichen dafür, dass der Energieverlust aus der Milch noch nicht vollständig durch pflanzliche Futtermittel ausgeglichen werden kann.

Noch kritischer wird es bei einem abrupten Absetzen, etwa wenn eine komplette Mahlzeit plötzlich entfällt. Der Stoffwechsel wird überfordert, Stress entsteht – das Kalb gerät aus dem Gleichgewicht.

Subklinische Azidose – ein oft unterschätztes Risiko

Nach dem Absetzen der Milch nimmt die Kraftfutteraufnahme häufig stark zu. Beim Abbau von Stärke und Zucker entstehen im Pansen große Mengen kurzkettiger Fettsäuren. Wenn der Pansen noch nicht ausreichend entwickelt ist, können diese Säuren jedoch nicht vollständig abgepuffert werden.

Die Folge kann eine subklinische Pansen- oder Darmazidose sein – häufig zunächst ohne sichtbare Symptome. Mögliche Konsequenzen sind:

  • verminderte Futterverwertung,
  • Entzündungsreaktionen im Darm,
  • reduzierte Leistungsfähigkeit.

Solche Prozesse bleiben oft unentdeckt, wirken sich jedoch langfristig auf Wachstum und Gesundheit aus.

Absetzen ist kein Schalter – sondern ein Prozess

Das bedeutet jedoch nicht, dass Kälber bis zum sechsten Lebensmonat Milch erhalten müssen. Entscheidend ist der Zeitfaktor.

Im NativeCalfConcept empfehlen wir Folgendes:

  • Ab ungefähr der 5. bis 6. Lebenswoche schrittweise mit der Reduktion der Milchmenge beginnen.
  • Die Absetzphase über 6 bis 7 Wochen strecken.

So gewöhnen sich die Kälber langsam an die steigende Aufnahme von Trockenfutter, während sie weiterhin mit hochverdaulicher Milchenergie versorgt werden. Das Ergebnis:

  • eine stabile Verdauung,
  • gleichmäßiges Wachstum ohne Absetzknick,
  • geringerer Stoffwechselstress,
  • eine bessere Vorbereitung auf die Jungrinderphase.

Fazit: Kälber lieben langsames und spätes Absetzen

Ein spätes und langsames Absetzen schützt das Wachstum, die Darmgesundheit sowie die langfristige Leistungsfähigkeit.

Wer dem Kalb Zeit gibt, erhält die zuvor aufgebaute metabolische Programmierung – und sichert die Investition in die zukünftige Milchkuh.

9. Das Ziel: Ein gesunder Wiederkäuer

Das NativeCalfConcept endet nicht mit dem Absetzen von der Milch. Das eigentliche Ziel ist ein leistungsfähiger, stabil entwickelter Wiederkäuer mit einem gesund arbeitenden Pansen, der große Mengen Futter effizient verwerten kann. Der Übergang von Milch zu Festfutter entscheidet darüber, ob dieses Ziel erreicht wird.

Kraftfutter – Entwicklungsstimulus für den Pansen

Kraftfutter spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung zum Wiederkäuer. Es liefert fermentierbare Nährstoffe, die im Pansen von Mikroorganismen umgesetzt werden. Dabei entstehen flüchtige Fettsäuren, die das Wachstum der Pansenzotten stimulieren und somit deren Oberfläche zur Nährstoffaufnahme vergrößern.

Kraftfutter ist damit nicht nur eine Energiequelle – es ist auch ein Impulsgeber für die Pansenentwicklung.

Gleichzeitig muss die Zusammensetzung sorgfältig ausgewählt werden. Das Ziel ist ein gut verdauliches Futter, das die Pansenentwicklung fördert, aber keine Übersäuerung begünstigt.

Energielieferanten wie Mais oder Hafer sind in der Kälberfütterung häufig besser geeignet als sehr schnell verfügbare Stärkequellen wie Weizen. Entscheidend ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Energie, Struktur und Verdaulichkeit.

Struktur ist unverzichtbar – Heu, Stroh oder Silage?

Kraftfutter allein reicht nicht aus. Der Pansen benötigt neben fermentierbaren Kohlenhydraten auch physikalische Struktur. Gut strukturiertes Heu, gehäckseltes Stroh oder geeignete Luzerneprodukte unterstützen:

  • die Entwicklung der Pansenwand,
  • die Vormagenmotorik,
  • die Speichelbildung und somit die natürliche Pufferung.

Ohne ausreichende Rohfaser steigt das Risiko für Pansenazidose, Fressunlust und Entwicklungsverzögerungen. Zudem besteht die Gefahr, dass Kälber ihren Strukturbedarf durch das Fressen von kontaminiertem Einstreu decken.

Deshalb empfehlen wir im NativeCalfConcept, spätestens ab der zweiten Lebenswoche Festfutter zum Probieren anzubieten. Zum Beispiel als Trocken-TMR, eine Kombination aus hochwertigem Kraftfutter und strukturierter Faser. Diese Kombination sorgt für Energie und Struktur gleichzeitig und unterstützt eine gleichmäßige Pansenentwicklung.

Wichtig ist außerdem: Neben Milch und Festfutter muss Wasser jederzeit frei verfügbar sein. Denn nur bei einer ausreichenden Wasseraufnahme kann sich eine stabile Mikrobenpopulation im Pansen entwickeln.

Der richtige Zeitpunkt zum Absetzen

Häufig wird die Kraftfutteraufnahme als alleiniger Indikator für das Absetzen genutzt. Ein Wert von etwa 1 kg Kraftfutter pro Tag gilt oft als Signal, dass ein Kalb „bereit“ ist. Wir wissen jedoch, dass eine längere Tränkephase bis etwa 12 Wochen sinnvoll sein kann – selbst, wenn die Kraftfutteraufnahme bereits früh ansteigt.

Entscheidend ist nicht nur die Futtermenge, sondern die gesamte Entwicklung des Kalbes. In der Gruppenhaltung lässt sich die individuelle Kraftfutteraufnahme nur schwer exakt erfassen. Aussagekräftiger ist daher die Gewichtsentwicklung. Ein kontinuierliches, gleichmäßiges Wachstum zeigt, dass Verdauung, Stoffwechsel und Energieversorgung im Gleichgewicht sind.

Weitere Informationen zur Kraftfutterfütterung finden Sie in der 3-teiligen Artikelserie in unserem Blog.

Fazit: Kraftfutter ist mehr als nur Futter – es ist ein Entwicklungsstimulus.

In Kombination mit strukturierter Rohfaser und ausreichend Wasser sorgt Kraftfutter für einen stabilen Pansen und bereitet das Kalb somit auf seine spätere Rolle als leistungsfähiger Wiederkäuer vor. Ein gesunder Wiederkäuer entsteht nicht zufällig – er wird in den ersten Lebenswochen gezielt aufgebaut.

10. Gruppenhaltung junger Kälber – gemeinsam besser entwickeln

Kälber sind keine Einzelgänger. Zwar separieren sich Mutter und Kalb in den ersten Tagen in der Natur von der Herde, doch später schließen sich die Jungtiere Gruppen Gleichaltriger an. Dort lernen sie voneinander, erkunden gemeinsam ihre Umgebung und entwickeln soziale Fähigkeiten.

Diese natürlichen Beobachtungen liefern wertvolle Hinweise für eine moderne, stressarme Kälberhaltung.

Frühe soziale Bindung statt Isolation

Wenn eine Trennung von Kuh und Kalb unmittelbar nach der Geburt betrieblich vorgesehen ist, sollte das Kalb nicht allein bleiben. Bereits kleine Gruppen von 2 bis 3 Kälbern ermöglichen soziale Interaktion und fördern eine stabile Entwicklung.

In der Praxis hat sich insbesondere die Paarhaltung („Twin-Haltung“) bewährt. Was ursprünglich als Kompromiss zwischen Einzel- und Gruppenhaltung gedacht war, zeigt heute klare Vorteile:

  • bessere Futteraufnahme,
  • höhere tägliche Zunahmen,
  • weniger Stressreaktionen und
  • stabileres Verhalten.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben bestätigt, dass Kälber, die paarweise oder in kleinen Gruppen aufgezogen werden, gegenüber einzeln gehaltenen Tieren Vorteile in Bezug auf Wachstum und Anpassungsfähigkeit zeigen.

Lernen durch Nachahmung

Die Gruppenhaltung unterstützt das natürliche Lernverhalten der Kälber. Sie beobachten einander und übernehmen Verhaltensweisen. Dies betrifft beispielsweise die Nutzung der Tränke, den Umgang mit Veränderungen und die Futteraufnahme.

Gruppenaufgezogene Kälber zeigen häufig:

  • mehr Aktivität,
  • ein stabileres Fressverhalten,
  • eine geringere Stressanfälligkeit und
  • eine bessere Anpassungsfähigkeit an neue Situationen.

Soziale Sicherheit hat einen direkten Einfluss auf Gesundheit und Wachstum.

Voraussetzungen für stressarme Gruppenhaltung

Für die Gruppenhaltung ist ein durchdachtes Management erforderlich. Entscheidend sind:

  • ausreichend Platz (ca. 2,5 bis 4 m² pro Kalb),
  • geschützte Ruhebereiche,
  • ungestörte Fressplätze,
  • ausreichend Bewegungsfreiheit und
  • möglichst geringer Altersunterschied (ideal: maximal 2 Wochen).

Die Gruppengröße sollte zur Betriebsstruktur passen. Kleine, homogene Gruppen erleichtern die Beobachtung und das Management. Für größere Gruppen (über 6 bis 8 Kälber) bietet sich der Einsatz des Tränkeautomaten „CalfExpert“ an. Er füttert die Kälber nicht nur, sondern versorgt Sie auch mit den wichtigsten Informationen zu Ihren Kälbern.

Fazit: In der Gruppe stärker!

Im NativeCalfConcept ist die Gruppenhaltung kein Kompromiss, sondern eine bewusste Entscheidung für eine naturnahe und entwicklungsfördernde Aufzucht.

Gemeinsam aufwachsende Kälber sind oft stressresistenter, lernfähiger und stabiler – sie starten mit besseren Voraussetzungen in ihre Zukunft als leistungsfähige Milchkühe.

11. Tränkeautomat ab Tag 3 – das NativeCalfConcept konsequent umsetzen

Viele der beschriebenen Bausteine – natürliche Trinkhaltung, Fütterung vieler kleiner Mahlzeiten, langsame Futterübergänge, metabolische Programmierung und schonendes Absetzen – lassen sich mit klassischen Eimersystemen oft nur eingeschränkt realisieren. Wer das NativeCalfConcept vollständig umsetzen möchte, kommt um die Nutzung eines Tränkeautomaten kaum vorbei. Der CalfExpert bietet mit seinen sehr individuellen Tränkeeinstellungsmöglichkeiten alles, was es braucht, um Kälber möglichst natürlich zu füttern.

Warum erst ab Woche 3?

Auf vielen Betrieben werden Kälber erst nach 2 bis 3 Wochen an den Tränkeautomaten gewöhnt. Bis dahin trinken sie aus dem Nuckeleimer in Einzel- oder Twin-Hütten und werden später in größere Gruppen umgestallt.

Das bedeutet: zusätzliche Kosten, wiederholtes Anlernen an unterschiedliche Tränkesysteme, zusätzlicher Arbeitsaufwand und unnötiger Stress für das Kalb.

Moderne Konzepte gehen deshalb einen Schritt weiter.

Frühstart am Automaten

Immer mehr Betriebe setzen den Tränkeautomaten bereits ab dem dritten Lebenstag ein. In den ersten beiden Tagen erhalten die Kälber hochwertiges Kolostrum in Einzel- oder Zweierbuchten. Sobald sie zuverlässig trinken, werden sie anschließend an den Automaten gewöhnt.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt, messbare Trinkgeschwindigkeiten, fließende Übergänge zwischen Vollmilch und MAT, einfache Umsetzung hoher Milchmengen sowie kontrolliertes und langsames Absetzen.

Fitte Kälber können so bereits in der ersten Lebenswoche problemlos hohe Milchmengen aufnehmen – bei gleichzeitig stabiler Verdauung.

Klare Struktur für stabile Gruppen

Damit das System funktioniert, sind durchdachte Gruppengrößen und klare Abläufe notwendig. Wir empfehlen:

  • eine maximale Gruppengröße von 15 Kälbern,
  • einen Altersunterschied von möglichst unter 3 Wochen und
  • keine Zusammenlegung bestehender Gruppen.

Bei einer Tränkephase von etwa 10 bis 11 Wochen bedeutet das mehrere feste Gruppen mit klarer Struktur. Auch wenn dies zunächst nach einem höheren Investitionsbedarf aussieht, zeigen Praxiserfahrungen häufig Vorteile:

  • Der Arbeitsaufwand verringert sich durch das einmalige Anlernen.
  • Es gibt weniger Krankheitsfälle, da die Nährstoffversorgung besser ist.
  • Die Gewichtsentwicklung ist besser durch eine intensivere Tränke.
  • Die Datentransparenz ist höher durch die detaillierten CalfExpert-Auswertungen in CalfGuide.

Fazit: Der CalfExpert ist der Schlüssel zum NativeCalfConcept

Der frühe Einsatz eines Tränkeautomaten verbindet alle Bausteine des NativeCalfConcept zu einem funktionierenden Gesamtsystem. Er ermöglicht natürliche Trinkmuster, hohe Milchmengen, schonende Übergänge und kontrolliertes Absetzen – bei gleichzeitig optimaler Tierbeobachtung und Datenkontrolle.

So entsteht aus vielen Einzelmaßnahmen ein durchdachtes Aufzuchtkonzept. Zudem werden aus gut versorgten Kälbern gesunde und leistungsfähige Milchkühe.

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Holm & Laue Handbuch Kalb