Ad-libitum-Fütterung und Pärchenhaltung in ökologischer Kälberaufzucht

Sie fragen sich, worauf man bei Ad-libitum- oder Vollmilchfütterung achten muss und warum Pärchenhaltung bei Kälbern doch keine so schlechte Idee ist? Und wie verbessert man sein Biestmilchmanagement? All das klären wir im folgenden Blogbeitrag am Beispiel vom Biohof Backensholz.

In diesem Beitrag geht es um:

  • Kälberaufzucht in TwinHutches/mit Pärchenhaltung
  • Ad-libitum-Fütterung
  • Vollmilchfütterung mit dem Holm & Laue Tränkeautomaten
  • einen funktionierenden Kälberstall für Gruppenhaltung mit Auslauf
  • Biestmilchmanagement mit dem coloQuick-System

Wenn man nach Nordfriesland fährt, erwartet man eine frische Brise, weites Land und ein wenig salzige Luft. Aber das ist noch längst nicht alles: Hier gibt es nämlich großartige landwirtschaftliche Betriebe, die sich wirklich sehen lassen können. Einer davon ist der Betrieb „Hof Backensholz“ von Familie Metzger-Petersen.

Bei Metzger-Petersen führen hohe Kompetenz und Leidenschaft mit innovativem Denken zu Tierwohl und super Ergebnissen. Im folgenden Beitrag möchten wir Ihnen näher erklären, was den Betrieb ausmacht und was uns dabei so beeindruckt. Viel Spaß beim Lesen!

Zuerst ein paar grundlegende Worte zum Betrieb.

Der Hof Backensholz ist seit den späten 1980ern ein Biobetrieb. Tierwohl und artgerechte Haltung sind Themen, die immer weiter an Bedeutung gewinnen – vor allem in der Öffentlichkeit werden diese Themen groß diskutiert. Landwirte und Verbraucher müssen sich damit intensiv auseinandersetzen. Biologische Landwirtschaft kommt dabei in vielen Punkten den von der Gesellschaft geforderten Standards sehr entgegen. Der Betrieb hat sich dies zum Ziel gesetzt.

Rund 460 Kühe werden hier gemolken und das Besondere: Die gesamte Milch wird in der betriebseigenen Käserei zu Käse verarbeitet. Im Hofladen mit Restaurant wird der Käse neben vielen weiteren Produkten vertrieben.

Doch was uns natürlich am meisten interessiert, sind nicht unbedingt die Kühe – Unsere Leidenschaft gilt den Kälbern und ihrer Aufzucht.

Die Kälber auf Hof Backensholz werden vorerst in Holm & Laue TwinHutches zu zweit aufgezogen. Mit Ad-libitum-Tränke und einem besten Freund in der Hütte fühlen sich die Kälber wohl. „Es ist unglaublich, was für eine Bindung die Kälber zueinander aufbauen. Auch nach der Zeit in der TwinHutch bleiben sie oft unzertrennlich“, erklärt Herdenmanagerin Mary-Katherine Jones, kurz MK.

In der TwinHutch gibt es genügend Platz für beide Kälber und durch die große Luke hinten an der Kälberhütte ist eine gute Durchlüftung möglich. Die Kälber verbringen bei Metzger-Petersen die ersten drei Wochen in der TwinHutch. „Wir haben mit den Hütten unter 1 % Aufzuchtsverluste und sehr wenig bis keine gesundheitlichen Probleme“, so MK. Auch der Keimdruck in den TwinHutches ist viel geringer als in größeren Kälbergruppen. In größeren Gruppen kommen immer wieder Kälber nach und die Ställe sind fast ununterbrochen belegt. „Bei den TwinHutches ist das anders: die Zweiergruppen bleiben konstant und verlassen dann gemeinsam die Kälberhütte. Wir können Ausmisten und haben viel Zeit bis zur Neubelegung und für ausreichende Desinfektion.“

Das Besaugen und die Milch des anderen wegtrinken ist auch bei Metzger-Petersen ein Problem. „Aber es hält sich wirklich in Grenzen und wenn wir später in die große Gruppe wechseln, haben wir viel Spielzeug und Ablenkung für die Kälber, um dem entgegenzuwirken“, erklärt uns Kälbermanagerin Solveig.

Sollte es allerdings tatsächlich mal so sein, dass ein Kalb aus unterschiedlichen Gründen dem anderen deutlich unterlegen ist und nicht ausreichend an seine Milch kommt, hat der Biobetrieb ein geniale Lösung: Zwei Holm & Laue Einzelhütten nebeneinander stellen, ein paar Stangen des FlexyFence entfernen und so einen Durchgang für die Kälber schaffen. Der Durchgang kann dann ganz einfach durch ein Brett wieder verschlossen werden, z.B. wenn die Eimer nachgefüllt werden – einfach clever!

Nach der Zeit in der TwinHutch kommen die Kälber in den neuen Kälberstall. Dieser wurde 2018 fertiggestellt und entspricht ganz den Biovorschriften mit Vollmilchfütterung und großem Auslauf auf die Wiese.

Der Kälberstall ist in drei Segmente unterteilt mit jeweils zwei Boxen. In den Boxen laufen bis zu 20 Kälber auf Stroh. Die Vollmilch erhalten die Kälber in Segment eins und zwei vom H&L 100 Tränkeautomaten mit zwei HygieneStationen. Im dritten sind die Kälber bereits abgetränkt.

Der Tränkeautomat bekommt die Milch aus einem separaten rund 3000 Liter fassenden Tank, der mit eigener Kühlung neben dem Kälberstall untergebracht ist. Der H&L 100 teilt anhand der Futterkurve jedem einzelnen Kalb seine Rationen zu.

Der Betrieb hat seine Kälber gut im Blick. „Wir arbeiten sehr gern mit der Kälberwaage in der HygieneStation. Hier sehen wir genau, welches Kalb wie gut oder auch mal weniger gut zunimmt, und können die Daten interpretieren und entsprechend handeln. Außerdem möchten wir uns mit dem Managementprogramm CalfGuide in Zukunft weiterentwickeln. Dann haben wir einen noch besseren Überblick über die gesamte Gruppe“, sagt Solveig.

Die bereits erwähnten Spielzeuge und Ablenkungen für die Kälber haben auch ihren Platz im neuen Stall gefunden. Es gibt eine Tonne Heu mit Löchern oder einen Spieligel, der von der Decke hängt.

Ein Kälberstall ist nur so gut wie sein Stallklima. Ein hohes Schrägdach und eingebaute Jalousien ermöglichen einen geregelten Luftaustausch und demnächst soll eine Schlauchlüftung das Stallklima noch weiter verbessern.

Und nicht nur drinnen dürfen sich die Kälber wohlfühlen. Auf dem Hof Backensholz geht’s für sie sogar nach draußen. Jedes Segment hat einen eigenen Auslauf zur Weide. Durch einen Windfang gelangen die Kälber aus dem Stall in den Außenbereich. Drei Gummilamellen halten den meisten Wind ab und der Rest wird durch einen schmalen Gang in den Innenbereich abgefangen. Draußen erwartet die Tiere ein kleiner Vorhof mit Betonboden und Kuhbürste und daran angeschlossen ein großes Stück grüne Weide.

Doch wer Kälber aufzieht, weiß, der Weg der Aufzucht eines gesunden Kalbes beginnt, sobald das Tier auf die Welt kommt. Und damit unsere Kleinsten auf ihrem Weg auch gesund bleiben und sich gut entwickeln, spielt die Biestmilchfütterung eine ganz entscheidende Rolle.

Das hat auch der Biobetrieb schon lange erkannt. Allerdings war vor allem Herdenmanagerin MK nicht immer ganz zufrieden mit der Weise der Biestmilchfütterung auf dem Hof. „Die Biestmilch haben wir immer in Flaschen gefüllt und in einem Kühlschrank gelagert, bis dieser fast aus allen Nähten geplatzt ist. Die Milch wurde nur gekühlt und dann in einem Wasserbad ungefähr auf die richtige Temperatur gebracht. Insgesamt war es schwierig, einen Überblick zu behalten.“ Dann hat sich der Betrieb für den ColoQuick entschieden und MK ist jetzt sehr zufrieden: „Biestmilch ist sehr empfindlich und nicht sehr lange haltbar. Durch das Gefrieren im ColoQuick spielt das nun eine viel kleinere Rolle. Die Milch kann jetzt verwendet werden, wenn wir sie brauchen, und wird dann auf die optimale Temperatur erhitzt. So funktioniert die Biestmilchfütterung einwandfrei und durch das Refraktometer haben wir eine viel bessere Kontrolle der Qualität und wir wissen genau, was wir unseren Kleinen geben.“

Im Anschluss an unseren Rundgang über den Hof haben wir noch einen Abstecher zum Hofladen gemacht, um den wunderbaren Käse zu probieren (ein Genuss!) und das Restaurant anzuschauen. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, klicken Sie hier: https://www.hofkueche-backensholz.de

Der Besuch auf Hof Backensholz war ausgesprochen interessant und beeindruckend. Besonders die hohe Kompetenz und Leidenschaft des Teams wird uns im Kopf bleiben. Als wir Solveig und MK nach einem letzten Statement fragen, antwortet Solveig nur: „Ich kann nicht verstehen, warum nicht jeder auf Bio umstellt“ und schaut dabei stolz auf ihre Kälber. Das lassen wir unkommentiert und möchten uns ganz herzlich für die Zeit und das freundliche Gespräch bedanken!

Was meinen Sie: Ist Biohaltung die Zukunft? Wäre das auch etwas für Ihren Betrieb? Was können Sie aus diesem Beitrag für sich mitnehmen?